Ökologisch-Demokratische Partei
Ortsverband Neufahrn/Eching

Pressemitteilung vom 17. November 2020

Bürgersaal Günzenhausen:
Machbarkeitsuntersuchung zwiespältig, der bessere Standort unstrittig

Das Günzenhausener Wirtshaus ist seit rund zwei Jahren geschlossen. Der Pächter hatte aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben, aber auch das Gebäude war in die Jahre gekommen. Es wurde mittlerweile entkernt und erhält ein Inneres, das heutigen Anforderungen an die Gastronomie gerecht wird. Im Obergeschoss jedoch wird es keinen Saal mehr geben. Stattdessen sollen Gästezimmer dafür sorgen, dass sich der gastronomische Betrieb im Ganzen rechnet.

Dörfer brauchen allerdings Räume - sei es für Feste, für politische Veranstaltungen oder den Theaterabend mit der Dorfbühne. Dem meint die Gemeinde Eching offenbar mit einem Bürgersaal als Anbau zum neuen Feuerwehrhaus Genüge zu tun. Dieses soll jenseits des Friedhofs, am nordwestlichen Ortsrand gebaut werden (Lage F in Luftbild des Dorfs). Der ödp-Ortsverband sieht das anders und ist zunächst froh über einen am 27. Oktober vom Gemeinderat gefassten Beschluss. Demnach soll untersucht werden, ob der Saal nicht auch in nächster Nähe zum alten Wirtshaus, unterhalb der Kirche gebaut werden kann (Lage Z). Dieser Vorschlag der Eigentümer des Wirtshauses geht mit dem Angebot einher, den benötigten Grund in einem Erbpachtvertrag kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Luftbild
Luftbild Günzenhausen
Standortvorschläge Bürgersaal
Quelle: https://geoportal.bayern.de
Luftbild
Zentraler Standort
Vorhandene Bauten in blau, mögliche Positionen für Saal in rot
Quelle: https://geoportal.bayern.de

Die Kosten der Machbarkeitsuntersuchtung bezifferte die Verwaltung mit 35000 Euro und unterstrich dem Gemeinderat gegenüber all die Schwierigkeiten, auf die man an diesem Bauplatz eingestellt sein müsse: Der Grund sei im Niveau zu tief und womöglich wenig tragfähig. Das Erzbistum und der Denkmalschutz könnten Vorbehalte haben und es sei der Lärmschutz zu erörtern. Wobei eingeräumt wurde, dass dies auch innerhalb neuer Nachbarschaften am Ortsrand gelte.

Sieglinde Lebich und Bertram Böhm lehnten die Untersuchung rundweg ab. Grüne und Echinger Mitte sind also entschlossen, den Bürgersaal am Ortsrand zu bauen. Eine knappe Ratsmehrheit will zweigleisig fahren: Die Saalplanung draußen weiterverfolgen und bezüglich des Standortes in der Dorfmitte zumindest auf Zahlen und Stellungnahmen verweisen können. Doch ist (a) mit einem solchen Gutachten für Vergleichbarkeit gesorgt? Und besteht (b) eigentlich Anlass zur Flucht nach vorne?

Wir sind hinsichtlich (a) insofern skeptisch, als die nicht billige Untersuchung bezüglich der Kosten ziemlich alles ergeben kann. Jeder Meter, den man den Saalbau nach Westen oder Osten verschiebt, beeinflusst den Bauaufwand entscheidend. Im Osten bekäme man es laut Sieglinde Lebich mit dem 'schwierigsten Grundstück in Günzenhausen' (Position A in Luftbild oben) zu tun, welches die Gemeinde nicht einmal kostenfrei nehmen sollte. Im Westen steht das Schützenheim, ein eingeschossiger Zweckbau, dessen Flachdach nicht nur auf dem für den Saal benötigten Niveau liegt, sondern von vorneherein so gebaut wurde, dass ein Aufstocken möglich wäre (Position B). Somit kann der Saal im Ortszentrum als unangemessen teure oder als günstige Option präsentiert werden. Ein flankierend in den Raum gestelltes Problem zum bestehenden Erbpachtvertrag zwischen Schützengesellschaft und den Grundeigentümern ist allenfalls ein formales. Denn die Schützengesellschaft hat erklärt, dass sie den Bürgersaal in der Ortsmitte will und bei einer Neuordnung der Verträge konstruktiv mitwirken werde.

Zu (b) erklärte Bertram Böhm sinngemäß, 'Lasst uns jetzt den Saal draußen bauen, denn wir wissen, die Kassenlage in den nächsten Jahren wird schlechter sein.' Aus unserer Sicht ein unangemessener Appell. Schließlich sollte Geld, das heute nicht ausgegeben wurde, morgen eigentlich nicht verschwunden sein. Zudem beeinflusst Angebot und Nachfrage den Baupreise stark. Als eine der wenigen Branchen boomt diese Branche; die Pandemie tangiert sie nicht. Doch ein Corona-Erbe in Gestalt eines wenig genutzten Bürgersaals kann auf Jahrzehnte für Günzenhausen ein Kümmernis und für die Gemeinde verschwendetes Geld sein.

Tatsächlich ungeduldig zeigen sich Mitglieder der Günzenhausener Feuerwehr; dies war allerdings schon vor der Gemeinderatswahl von 2014 so. Damals war das Feuerwehrhaus noch ein Vorhaben für sich und sollte es auch wieder werden. Zur Fehlinvestition kann ein Bürgersaal am Lichtweg nicht nur werden, weil er im Abseits liegt. Auch ein Zusammenspiel mit der Gastronomie wird dort fehlen. In Otmar Dallingers dem Gemeinderat vorgetragene Idee, dort könne beispielsweise Kinderturnen angeboten werden, ahnen wir die Furcht, mit dem Lichtweg auf dem Holzweg zu sein. Wir hoffen jedenfalls, dass es auf dem Land für Kinder weiterhin Platz zum Spielen und Herumtollen gibt und man sie nicht unbedingt zum Turnen abliefern muss.

Aus unserer Sicht sollte die Gemeinde Eching den Kurs besser jetzt als später korrigieren [1] [2]. Womöglich kann die Feuerwehr auf Pläne ohne einen Gebäudeflügel für den Bürgersaal zurückgreifen. Wird für die Lösung in der Dorfmitte der einfachste Weg eingeschlagen und der Saal auf dem Schützenheim errichtet, bräuchte zugegebenermaßen der Biergarten einen neuen Platz. Auf Ebene des Saals könnte er ihn balkonartig umfassen und zu einem größeren Teil als Terrasse dem Schützenheim vorgelagert werden. Dann käme der eine wegen großen Dursts, ein zweiter wegen guten Essens und ein dritter 'zwengs' der Gemütlichkeit. Dieser Biergarten jedoch punktete zudem mit seinem Ausblick auf die Alpen und, nicht zuletzt, lockte er Volk durch seinen eigenen Anblick herbei. Gerne jedenfalls unterstützen wir die Gemeinde beim Vermarkten eines "hängenden Biergartens". Mit ihm läge Günzenhausen gleichauf mit Babylon, dessen "hängende Gärten der Semiramis" eines der sieben Weltwunder der Antike waren.

Malerische Vorstellung der hängenden Gärten der Serimanis
Malerische Vorstellung der hängenden Gärten der Semiramis
Quelle: Wikipedia

Nachfolgende Berichte und Veröffentlichungen

1
Bericht "Der Bürgersaal kommt in die Ortsmitte" von Bastian Amann, Freisinger Tagblatt, 11.03.2021
2
Bewertung der Standortentscheidungen durch Michaela Holzer (BfE) im Echinger Forum 04/2021.
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